Die Ziegen

Ein Märchen aus Lettgallen

Ziege

Es war einmal ein altes Ehepaar. Eines Abends hatten sie sich gestritten, und als die Frau in der Nacht rausging zum Pinkeln, schloss der Mann hinter ihr die Tür von innen ab. Als sie zurückkam und merkte, dass sie nicht mehr ins Haus kam, legte sie ihrerseits den Riegel von außen vor, und nun konnte der Alte nicht mehr heraus. Die Frau aber ging fort in den Wald.
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Weib und Teufel

Ein Märchen aus Lettgallen. Aus dem Lettgallischen von Nicole Nau

Ein Bauer hatte einmal Teufel in der Tenne und niemand konnte sie vertreiben. Da sagte ein Weib zu ihm: „Bauer, gib mir Eier und Fleisch, dann werd ich Dir die Teufel verjagen!“ Da gibt er ihr Eier und Fleisch und sie geht zur Tenne, brät die Eier mit dem Fleisch und fängt an zu essen. Kommt ein Teufel angerannt und sagt: „Frau, gib mir auch was ab!“ Sie antwortet: „Nein, ich geb dir nichts, hast selber Eier!“ Sagt der Teufel: „Dann schneid sie mir ab, Frau, und brat sie!“ Sie nimmt eine Sichel und säbelt los, fängt er an zu heulen: „Ojojoj, lass mich los!!“ Da sagt das Weib: „Kommst du auch nicht wieder? Wenn Du nicht wieder kommst, dann lass ich dich frei!“ Antwortet der Teufel: „Nein, nein, ich komm nicht mehr, nie mehr solange ich lebe!“ Da lässt sie ihn frei, und geht am Morgen zum Bauern und sagt zu ihm: „Na siehste, Bauer, ich hab ihn schon vertrieben!“ Da geht der Bauer hin und gibt ihr guten Lohn. Danach waren nie mehr Teufel in der Tenne. Und deshalb sagt man, wenn’s wo spukt, dann soll man da eine Frau mit Eiern hinschicken, die wird den Schrecken schon vertreiben!

(Quelle: siehe „Die Tochter des Teufels„)

Originaltext:

Beja vīnam saiminīkam valni kulā i navarēja nikas izdzeit jū, a vīna buoba soka tai: “Dūd maņ, saiminīks, ūlu i galis, es izdzeišu!” Pajam jis i dūd jai galis, – nūīt jei iz tū kulu, pīcap galis ar ūlam i ād. Atskrīn valns i soka: “Buobeņ, īdūd maņ paraudzēt!” Jei soka: “Na, nadūšķūte, šam iraida sovus ūlus!” Soka valns: “To tu maņ izgrīz i izcep!” Jei dabuoja sierpa i suok grīzt jam, suok jis klīgt: “Vui, vui, palaid mani vaļā!” A buoba soka: “A naīškys te vaira? Ka naīškys, to šū palaižkūte! Soka valns: – “Ai, naīšķys, naīskys, cikom viņ dzeivs dzeivuoškys!” Jei i palaida jū, – nūīt iz reitu iz saiminīku i soka: “Nu, saiminīks, jau! es izdzynu jū!” Pajam jis i aizmoksuoj buobai. Piec tuo jau nabeja vaira vaina [valna?] kulā! Vot par tū, ka kur bīdej, soka, ka vajag nūsyutēt buobu ar ūlom, to jei baili izdzeis!

Die Tochter des Teufels

Ein Märchen aus Lettgallen. Aus dem Lettgallischen von Nicole Nau

Ein Bauer war einmal unterwegs. Er war schon ganz lange nicht mehr zu Hause gewesen, ein Jahr vielleicht oder länger, und jetzt war er auf dem Rückweg und verfuhr sich. Er fuhr immerzu weiter, es wurde Nacht und er konnte den Weg nicht finden. Er plagte sich ziemlich mit dem Wagen, geriet in Zorn und rief vor Wut aus: „Wenn mich der Teufel hier herausführen würde, dem gäb ich, was immer er haben wollte!“ Kaum hatte er das gesagt, kam ein unbekannter Mann auf ihn zu und fragte: „Was gibst du mir, wenn ich dich auf den richtigen Weg bringe?“ „Na, was willst du denn dafür haben?“, fragte der Bauer. „Gib mir das, was du bei deiner Abfahrt von zu Hause nicht zurückgelassen hast!“ Der Bauer war’s zufrieden: „Gut, das gebe ich dir!“ Der Unbekannte glaubte ihm aber nicht so einfach, sondern holte ein Stück Papier hervor, ließ  ihn sich in den Finger stechen und mit Blut unterschreiben, dass er ihm das gebe, von dem er nicht wisse, dass es zu Hause ist. Danach führte er ihn auf den richtigen Weg und sagte zum Abschied: „Wenn die Zeit kommt, dann hole ich mir das Meinige!“ Und verschwand. Da erkannte der Bauer, dass das der Teufel gewesen war.

 

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