Der Sohn

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Nora Ikstena: Dēls (Der Sohn)
Aus dem Lettischen von Nicole Nau
(aus: Dzīves stāsti. Rīga: Atena, 2004)

Als Marija aus dem Wald kommt, reicht das Wasser auf der Wiese ihr bis zu den Knien. Ein kleines, kleines, nasses Waldkind. Der schwere Korb mit den Pilzen zieht sie zu Boden. Das alte Hündchen ist verschwunden. Der Regen hat es wohl fortgespült. Ein solches Wetter hatte sie noch nie erlebt. Das Wasser flutete aus dem Wald, stürzte wie ein Wasserfall über den Berg. Marija klammerte sich an eine Espe und hielt den Strömen stand. Warum hat die Flut das Hündchen mit sich genommen und nicht den Korb mit den Pilzen? Mit letzter Kraft tritt sie über die Schwelle. Die Daheimgebliebenen – Hund, Hündin und Kater – umspringen die Heimgekehrte, froh, dass sie zurück ist, werfen sie um. Marija sinkt auf die Bank beim alten Ofen und weint. Die Hunde machen sich zuerst auf die Suche nach dem alten Hündchen, dann drehen sie um und stupsen ihre Schnauzen an Marijas nasse Wangen. Eine Weile beweinen sie zu dritt das alte Hündchen, das die Flut davongetragen hat.
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