Anna Auziņas Vorsätze

Anna Auziņa: Apziņa (Bewusstsein)

Ein schöner kreativer Text über mehrere immer bunter werdende Seiten der Nummer Eins der Zeitschrift SATORI. Mehr oder weniger unübersetzbar, aber hier ist die deutsche Version der linken Spalte der ersten Seite. Passt so schön zum Jahresanfang.

1 Ich nehme mir vor, noch glücklicher zu sein!
2 Ich nehme mir vor, nicht so viel zu trinken,
3 jeden Tag 500 Wörter zu schreiben,
4 jeden Monat ins Theater zu gehen.
5 Ich nehme mir vor, keinen Zucker zu essen!
6 Ich nehme mir vor mich zu bessern.
7 Ich nehme mir vor mir etwas vorzunehmen.
8 Ich nehme mir vor mir nichts vorzunehmen.
9 Ich nehme mir vor nach der Geburt meine Figur wieder zu erlangen.
10 Ich nehme mir 2008 vor.
11 Ich nehme mir vor alles zu tun, um ein Sexleben zu haben.
12 Ich gelobe, die Traditionen meiner Einheit zu wahren und zu vervollkommnen.
13 Mein Vorsatz: auf dem Land leben!
14 Ich nehme mir vor, mehr Sport zu machen!
15 Ich nehme mir vor, drei Mal täglich Gymnastik zu machen!
16 Ich gelobe, die lettische Verfassung und die Gesetze zu achten!
17 Ich gelobe, durch meine Arbeit die nationalen Kulturwerte Lettlands zu mehren und die Qualität der lettischen Bildung zu steigern.
18 Ich nehme mir vor, im März jeden Tag wenigstens 5 Minuten dem Training meiner Bauchmuskeln zu widmen.
19 Eins nehme ich mir nun wirklich vor: mehr zu lesen.
20 Ich gelobe, alles zu tun, was in meiner Macht liegt.
21 Ich gelobe, heute alle meine Sünden zu bereuen und mich von ihnen abzukehren.
22 Ich verpflichte mich, diese Werte mit Umsicht zu verwenden und jeglichen Verlust umgehend zu ersetzen.
23 Ich nehme mir vor, mit dem Weinen aufzuhören.
24 Ich nehme mir vor, mich selbst mehr zu lieben, denn im Alltagsstress habe ich das vergessen.
25 Ich nehme mir vor, niemanden mehr um Wasser zu bitten.
26 Ich nehme mir vor, mir immer die Hände zu waschen.
27 Ich nehme mir vor, meine Familie nicht anzuschreien.
28 Ich nehme mir vor, andere nicht mehr zu kontrollieren.
29 Ich nehme mir vor, nicht auf nett zu machen
30 und immer zu sagen, was mir nicht passt.
31 Ich nehme mir vor, dieses Jahr einen Pilz zu essen.

Von Liebe, Sprache und Verantwortung

p1020474Kārlis Vērpe: Gefährliche Worte (in: Satori Nr. 1)
Ausschnitte in deutscher Übersetzung von Nicole Nau

Ein Denker der Antike hat einmal gesagt, die Liebe sei eine Flut. Am Anfang ist sie kaum zu spüren, unmerkbar steigt der Pegel, Vögel tirillieren, Forellen haschen nach summenden Käfern, ein warmer Wind streichelt die Haut, Schäfchenwolken gleiten über blauen Himmel. Plötzlich erfasst dich die Strömung und du verlierst den Boden unter den Füßen, und es ist zu spät, um an Land zu kriechen. Du krallst dich in den Zweigen eines gefallenen Baumes fest und wehrst dich, die Strömung reißt dir ein Stück Seele aus, lässt dich aber am Leben und gemahnt an das große Geschenk der Götter und deine unbehauene Überheblichkeit. Du kannst dich nur noch treiben lassen, ohne zu wissen, was wird: vielleicht zieht dich hinter der nächsten Biegung ein Strudel in die Tiefe, vielleicht wird die Strömung mit der Zeit zu einem ruhigen Fluß, auf dessen Grund greise Welse wohnen, an dessen Ufern malerische Eichenwäldchen stehen und dessen Arme weit in den Kontinent hineinreichen. Vielleicht aber versiegt die wilde Kraft auch in einem nebeligen Morast ohne Ende, Ränder und Garantien, dass die Fluten dich nicht noch einmal unvorbereitet erwischen. Die Liebe kommt immer überraschend. So der antike Denker.
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