Rainis hat Geburtstag

Keinen runden dieses Jahr, aber einen sommerlich leichten. Dazu ein kleines seiner Gedichte.

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Rainis: Zelta sietiņš

Goldenes Sieblein,
silbern bespannt,
siebt Samenkörnlein
von Diamant.

Im Sommer schreitet
Laima durchs Land,
streut Tau durchs Sieblein
als Diamant.

Welt durch des Siebleins
Augen gebannt
funkelt am Morgen
wie Diamant.

(deutsche Übertragung von Nicole Nau)

Kārlis Vērdiņš: Ich

Wenn ich die Tätigkeit meiner inneren Organe kontrolliere, heißt das nicht, dass ich keine habe. Immer noch kreisen Leber, Lungen und Niere um mein Herz, funkeln und brennen.
Viele kleine Sterne pochen blitzend in mir, schwanken, fallen. Und dann werde ich krank. Im Zimmer wechseln Licht und Dunkel sich langsam ab. Ich spüre: viele kleine Städte kreisen um Riga, kreischend, bibbernd im Frost. Jeden Augenblick verliere ich eine riesige Menge Energie und Wärme. Deshalb möchte ich, dass du in flachen Bögen um mich kreist.

(Aus dem Lettischen von Nicole Nau)

Hören, wie der Autor diesen Text liest

Die Ziegen

Ein Märchen aus Lettgallen

Ziege

Es war einmal ein altes Ehepaar. Eines Abends hatten sie sich gestritten, und als die Frau in der Nacht rausging zum Pinkeln, schloss der Mann hinter ihr die Tür von innen ab. Als sie zurückkam und merkte, dass sie nicht mehr ins Haus kam, legte sie ihrerseits den Riegel von außen vor, und nun konnte der Alte nicht mehr heraus. Die Frau aber ging fort in den Wald.
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