Trage mich (auf die Melodie von Besame mucho)


Gestern habe ich entdeckt, dass es eine lettische Version des Liedes „Besame mucho“ gibt. Die Worte sind ist aber nicht eine Übersetzung des spanischen Texts, sondern ein Gedicht von Ojārs Vācietis Der Witz ist, dass die erste Zeile lautlich an den spanischen Liedtext erinnert. Die Musik ist eine Adaptation von Raimonds Pauls. Hier können Sie es hören, gesungen vom Schauspieler Ivars Kalniņš.

Hier ist der lettische Text zum Mitsingen mit meiner deutschen Übersetzung zum Verstehen.

Ojārs Vācietis (1933-1983)
Nes mani vēl


Nes mani vēl, nes mani mūžam
Kādas vien jūras un lauki ir – tajos nes
Nesāpēs, nesāpēs mūžam
No miljons rokām šīs vienas paņēmu es
Paņēmu es, paņēmu es, paņēmu es, paņēmu es…


Nes mani vēl, nes mani mūžam
Kādi vien augstumi ir – tajos augstumos nes
Nesāpēs, nesāpēs mūžam
Cik augstu celsi tik reibšu no augstuma es
No augstuma es, no augstuma es, no augstuma es, no
augstuma es…


Nes mani vēl, nes mani mūžam
Nenes vien tur, kur pēdejo reiz‘ visus nes
Nesāpēs, nesāpēs mūžam
Pieneņu ziedā uz tevi kad raudzīšos es
Raudzīšos es, raudzīšos es, raudzīšos es, raudzīšos es…

Trage mich

Trage mich, trag mich für immer
Wo immer Meere und Felder sind, trag mich hinein
Es tut nicht weh, weh tut es nie mehr
Unter Millionen von Händen hab ich die hier gewählt
Die halte ich, die halte ich, die halte ich

Trage mich, trag mich für immer
Wo immer Höhen sind, trag mich hinauf
Es tut nicht weh, weh tut es nie mehr
So hoch du mich hebst, so schwindelt es mich von der Höhe
Mich von der Höhe, mich von der Höhe, mich von der Höhe

Trage mich, trag mich für immer
Nur dorthin nicht, wo am Ende man alle hinträgt
Es tut nicht weh, weh tut es nie mehr
Aus Löwenzahnblüten schau ich dich dann an
Schau ich dich an, schau ich dich an…

Auf der Welt gibt es sieben Miljarden geteilt durch zwei Vulkane

Zum Klappentext

Kristīne Ulberga
Auf der Welt gibt es sieben Miljarden geteilt durch zwei Vulkane

Aus dem Lettischen von Nicole Nau
(Ausschnitt aus einem Roman in Vorbereitung)

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Wir hatten abgemacht, dass ich Oma nicht sage, dass ich Papa auf dem Friedhof gefunden habe, denn von Friedhöfen darf man nichts mit nach Hause nehmen, weil sonst das Elend einzieht. Doch wir sind reingegangen.
Jetzt muss ich zu Omas Zimmer gehen, auf der Schwelle stehen bleiben, bis drei zählen und wieder weggehen. Sie wird schweigen und weinen. Diesmal sag ich, dass ich auch Papa mitgebracht habe, der ihr Sohn ist und ein berühmter Schriftsteller und alles, was von Mama übrig ist. Die andere Hälfte des Apfels, vertrocknet, aber mit Samen drin. Oma sagt immer, der Papa interessiert sie nicht, für sie ist nur wichtig, was Papa um sich herum geschaffen hat. Ja, sagt sie, dein Vater, Saifa, ist ein fauler sterblicher Gott, und Götter haben es nicht leicht, wenn sie die Welt aufs Neue erschaffen müssen.
Doch Oma und Opa schlafen. Und Papa ist angezogen ins Bett gefallen, aus dem Mamas Duft noch nicht verflogen ist. Jetzt ist keiner mehr da, der ihn unter Lachen an den Füßen kitzelt, seine Scham entfacht, Socken und Hose auszieht, das Hemd aufknöpft und ihn streichelt. Aus dem Schattenreich kommt Mama nur im Herbst und in Nächten, wenn der Wind auf Schlechtwetter gedreht hat.
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