Rainis hat Geburtstag

Keinen runden dieses Jahr, aber einen sommerlich leichten. Dazu ein kleines seiner Gedichte.

dsc_0205

Rainis: Zelta sietiņš

Goldenes Sieblein,
silbern bespannt,
siebt Samenkörnlein
von Diamant.

Im Sommer schreitet
Laima durchs Land,
streut Tau durchs Sieblein
als Diamant.

Welt durch des Siebleins
Augen gebannt
funkelt am Morgen
wie Diamant.

(deutsche Übertragung von Nicole Nau)

150 Jahre Aspazija und Rainis

Aspazija vor einem Bild von Rainis, 1928 (gefunden auf http://www.aspazijarainis.lv/par/aspazija/)

Aspazija vor einem Bild von Rainis, 1928 (gefunden auf http://www.aspazijarainis.lv/par/aspazija/)

In diesem Jahr feiert Lettland den doppelten Geburtstag seines berühmten Dichterpaares Elza Rozenberga und Jānis Pliekšāns – besser bekannt unter ihren Künstlernamen Aspazija und Rainis. Dazu gibt es viele Veranstaltungen nicht nur in Lettland – ganz Europa ist aufgefordert, mitzufeiern und das Werk der beiden kennen zu lernen.

Auf LETTLANDLESEN finden Sie in deutscher Übersetzung:

Mehr über die beiden können Sie z.B. hier lesen.

Sonne, Donner, Daugava

Rainis
 
Sonne gab den Letten Heimat,
wo sich Meer und Land berühren.
Wo sich beider Ränder treffen,
erhielt Lettland Torgewalt.

Lettland hielt zum Tor den Schlüssel,
wachte über Dünas Fluten.
Fremdes Volk kam, brach das Tor auf
und der Schlüssel fiel ins Meer.

Weiße Blitze sandte Donner,
riss den Schlüssel aus der Tiefe.
Lettland schloss den Tod vom Leben,
weißes Meer von grünen Feldern.

Sonne gab den Letten Heimat,
wo die weißen Wogen branden.
Sand bedeckte grüne Felder –
sollten Lettlands Kinder darben?

Sonne hieß den Gott der Menschen
Dünas Graben zu vertiefen.
Tiere halfen, und aus Wolken
ließ Gott Lebenswasser fließen.

Lebensfluten, Todesfluten
bildeten die Daugava.
Tauch ich meine Hand ins Wasser,
spür ich beider Macht in mir.

Deutsche Übertragung von Nicole Nau

Weiterlesen