Aspazija: Herbstgedichte

Herbsthexen

Ungerufen, ungebeten,
Wie sind die her geraten?
Herbsthexen!
Durch die Sümpfe,
Durch die Lüfte,
Von Nebelbergen, von Teufelsweilern!

Hinterdrein schleichen
zottige, borstige
Fransenwolken:
Zecher sind‘s, Völler,
Die fetten Wänste
kurz vorm Platzen.
Fraßen die Sonne auf! Tranken das Licht aus!

Hinterdrein rollen
donnernde, grollende
Hagellader,
Sturmwindzüge:
Fuhren mit Dunkel
vollgeladen.
Stahlen das Jahr weg! Führten die Tage fort!

(Deutsche Übertragung von Nicole Nau)
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150 Jahre Aspazija und Rainis

Aspazija vor einem Bild von Rainis, 1928 (gefunden auf http://www.aspazijarainis.lv/par/aspazija/)

Aspazija vor einem Bild von Rainis, 1928 (gefunden auf http://www.aspazijarainis.lv/par/aspazija/)

In diesem Jahr feiert Lettland den doppelten Geburtstag seines berühmten Dichterpaares Elza Rozenberga und Jānis Pliekšāns – besser bekannt unter ihren Künstlernamen Aspazija und Rainis. Dazu gibt es viele Veranstaltungen nicht nur in Lettland – ganz Europa ist aufgefordert, mitzufeiern und das Werk der beiden kennen zu lernen.

Auf LETTLANDLESEN finden Sie in deutscher Übersetzung:

Mehr über die beiden können Sie z.B. hier lesen.

Aspazija: So bin ich

Eine kleine persönliche Auswahl von Aspazijas Gedichten

So bin ich

Ein heiter sprudelnder Quell
über dem eine Weide trauert.
Trotzfunken lauert im Aug,
Blitz in den Fingerspitzen.

Dass so ich bin sollt ihr wissen!
Nun kommt doch mein Rätsel zu lösen!

Umgeben von Alltagspflichten,
von Richtern und Neidern, stolz
blüht die Rose im Rübenbeet,
sprüht der Funken ins trockene Holz.

Dass so ich bin sollt ihr wissen!
Nun kommt euch die Finger verbrennen!

(Deutsche Nachdichtung von Nicole Nau, 2015)
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Wie ein Traum verblasst

Lied für gemischten Chor nach einem Gedicht von Aspazija (1865-1943)

Deutsche Übertragung von Nicole Nau


Wie ein Traum verblasst,
wie ein Sternenglanz,
der erlischt am Tag,
meine Freude schwand.


Flehend strecke ich
meine Hände aus,
sie erreichen nicht
was verloren ist.

Schwüle Luft erstickt,
Staub und Dunst erdrückt
meiner Seele zart
blaues Blütenblatt

Lärm hat stumm gemacht,
Lachen überschrie
meiner Seele Lied,
sanfte Melodie.

Wie ein Traum verblasst,
wie ein Sternenglanz…
Kaum mehr wahrnehmbar,
nicht zurückholbar.

Sapņu tālumā,
staru spožumā,
zvaigzne dziekstoša
mana laimība.

Rokas izstiepju,
gaužos, pielūdzu,
atsaukt nespēju
to, ko zaudēju.

Tvaikos vītušas,
dubļos samītas
dvēsles drebošās
baltās lapiņas.

Smiekli pārkliedza,
troksnī izgaisa,
nav vairs dzirdama
saldā meldija.

Sapņu tālumā,
staru spožumā,
nepielūdzama,
neatsaucama.

 

Dieses Gedicht von Aspazija wurde nicht als solches, sondern als Text eines Chorliedes übersetzt (Musik: Emīls Dārziņš). Die Übersetzung wurde im Rahmen eines Projektes im Jahre 2003 vom lettischen Kultūrkapitāla Fonds gefördert. Die Noten wurden vom Verlag Musica Baltica verlegt.

Hier ist eine schöne Aufnahme des Lieds: