S Büsi und s Güggeli

Ein Märchen aus Lettgallen für die Lettlandfreunde in der Schweiz

Aus dem Lettgallischen von Nicole Nau (leider nur ins Schriftdeutsche, auf Schweizerdeutsch wäre es bestimmt noch schöner!)

Kätzchen und Hähnchen (Pōsoka par kačeiti un gaileiti)

Einst lebten ein Kätzchen und ein Hähnchen zusammen. Kätzchen ging täglich auf die Jagd und Hähnchen blieb zu Hause. Eines Morgens stand Kätzchen wie üblich auf, schüttete dem Hähnchen Gerste hin und sagte: „Ich gehe Vögel fangen, bleib du daheim und gib acht, lass nur niemanden herein.“ Kätzchen ging zur Jagd, Hähnchen blieb daheim und pickte Gerstenkörner. Da stand plötzlich der Fuchs vor der Tür und bat das Hähnchen, ihn einzulassen: „Hähnchen, Brüderchen, lass mich ein!“ Aber Hähnchen ließ ihn nicht herein, denn Kätzchen hatte ihm gesagt, er solle niemanden einlassen. Der Fuchs aber bettelte: „Hähnchen, Brüderchen, lass mich doch wenigstens ein Pfötchen bei dir wärmen.“ Hähnchen machte die Tür einen Spalt auf, damit der Fuchs ein Pfötchen wärmen konnte, aber das reichte dem Fuchs schon: er stieß die Tür mit der Pfote auf und kroch ins Haus. Er packte Hähnchen am Hals und schleppte ihn fort. Als Hähnchen sah, dass es sich allein nicht wehren konnte, fing es an zu schreien: „Kätzchen, Brüderchen, der Fuchs trägt mich fort, über die langen Berge, durch die großen Wälder.“ Kätzchen hörte Hähnchens Schreie und sprang sofort durch die Wipfel der Bäume in die Richtung, aus der Hähnchens Stimme erklang. Kätzchen holte den Fuchs ein, schlug und schlug auf ihn ein und ging dann mit Hähnchen nach Hause. Am nächsten Tag ging Kätzchen wieder auf die Jagd und Hähnchen blieb daheim. Kätzchen schärfte ihm ein, dass er nur ja niemanden ins Haus lassen sollte. Aber der Fuchs kam wieder und alles war wie am Tag zuvor. Als der Fuchs Hähnchen forttrug, fing es wieder an zu schreien, und Kätzchen nahm es dem Fuchs wieder ab. Als aber am dritten Tag Kätzchen wieder zur Jagd gegangen war und der Fuchs Hähnchen forttrug, da holte Kätzchen ihn nicht ein und der Fuchs trug Hähnchen in sein Haus. Kätzchen kam nach Hause und Hähnchen war nicht da. Da nahm es seine Flöte und einen Schlägel und ging sein Hähnchen suchen. Nach einiger Zeit kam er zu einem Hexenhäuschen und fing an zu flöten. Als die Hexe hörte, dass draußen einer die Flöte blies, schickte sie ihre jüngste Tochter nachschauen, wer das war. Doch kaum hate sie einen Fuß über die Schwelle gesetzt, schlug ihr Kätzchen mit dem Schlägel vor die Stirn, stopfte sie in einen Sack, setzte sich mit seinem Hintern darauf und flötete weiter. Die Hexe dachte, ihre Tochter würde draußen tanzen, und schickte ihre zweite Tochter hinterher. Kätzchen erschlug die auch. Die Hexe schickte ihre dritte Tochter raus. Kätzchen stopfte auch die in den Sack, setzte sich darauf und flötete weiter. Die Hexe dachte immer noch, ihre Töchter würden tanzen, und ging nun selbst raus. Aber sie war noch nicht über die Schwelle, als ihr Kätzchen schon mit dem Schlägel eins überzog und sie in den Sack stopfte. Darauf ging Kätzchen ins Haus und fand dort sein Hähnchen auf dem Tisch, schon in Stücke geschnitten. Kätzchen legte alle Stücke zusammen und blies Hähnchen seinen Atem in den Schnabel. Hähnchen wurde sofort wieder lebendig, und die beiden Brüder lebten weiter wie zuvor.

Dieses Märchen stammt aus dem von Ivars Magazeinis mitherausgegebenen Buch:

Feimaņu draudzes pasakas. Tautas dziesmas un pasakas Rēzeknes novada Feimaņu un Silajāņu pagastā. Pierakstījis Antons Kokalis. Sastādītājs Ojārs Spārītis. Rīga: Nacionālais apgāds, 2009.

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