Keine heiligen Füße

Drei Gedichte von Valentins Lukševičs
aus dem Lettgallischen von Nicole Nau

*

Vögel sind Steine,
die, in den Himmel geworfen,
nicht wieder runterfielen.

Und Steine auf dem Boden
sind Vögel,
die vergaßen,
wie man fliegt.

**

Tiefer als Wolken,
höher als Kamine
fliege ich.

Am Morgen eine Lerche,
am Abend ein Häher.

Keine Fahrräder hier.
Keine Flugzeuge hier.

Fange Pusteblumenflaum
und hänge
bei gefallenen Sternen rum.

Bin erschöpft, aber frei.
Frei, aber trübsinnig.

***

Du arbeite mal nicht so viel.
Ins Himmelreich rein lässt man auch
die auf Wiesen liegend
in die Wolken schaun.

 

Nun hat die Regierung eingesehen, dass der Mensch nicht von Nudeln, Klopapier und Pflaster allein lebt – seit dieser Woche sind Buchhandlungen den Supermärkten und Drogeriemärkten gleichgestellt. So konnte ich endlich den Ende Dezember erschienen vierten kleinen weißen Band von Valentins Lukaševičs Gedichten kaufen. Er trägt den komischen Titel „Pādi navā svāti“, wobei das zweite und dritte Wort zusammen bedeuten „sind nicht heilig“, das erste, „pādi“, aber sowohl die Füße, die man in Socken steckt (und Socken kommen tatsächlich mehrfach vor in dem Band), als auch deren Spuren – Fußspuren – sowie Spuren überhaupt bezeichnen kann. Der Leser kann sich also aussuchen, was hier nicht heilig ist, der eigene unterste Körperteil oder die hehren Spuren, die andere vor uns hinterließen.

So oder so – happy Valentins!

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