Himmel

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Fricis Bārda: Himmel

aus dem Lettischen von Nicole Nau

Wie tief du bist, Himmel,
Wie tief geht dein Glück.
Das tiefste der Meere
Ist nichts gegen dich.

Wie nah kommst du, Himmel,
An mich heran,
Schwindel ergreift mich,
Es schweigt der Verstand.

Dann spür ich
Wie Erdenbindung sich löst,
In kristallklaren Abgrund
fallen möcht‘ ich.

Versinken, verschwinden,
Und dass nichts mehr sei.
Nur Sterne
wie Lilien in einem See.

***

Als ich gestern auf dem Rückflug von Schottland den obigen Blick nach unten hatte, musste ich an dieses Gedicht denken. Der Himmel ein Abgrund, der Abgrund ein Himmel. Das Gedicht ist eines von dreien, das die lettische Komponistin Maija Einfelde zu einem eindrucksvollen Liederzyklus für Kammerchor gestaltet hat. Im Juli wurde das Werk zusammen mit anderen zeitgenössischen Chorliedern aus dem Baltikum vom Vokalensemble des SWR in Stuttgart aufgeführt. Der Mitschnitt des Konzerts ist hier zu finden (der „Himmel“ beginnt Minute 25:20). Am 4. August ab 9:15 kann man das Konzert auch im SWR Fernsehen sehen und hören. Auf YouTube gibt es auch eine Version des lettischen Radiochors.

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