Ich bin reich

Ich bin reich: mir gehört alles,
was mir widerfahren ist.

Diese Szene stammt aus einem lettischen Kultfilm von 1967, Elpojiet dziļi, oder Četri balti krekli. Der Text ist von Māris Čaklais (1940-2003) und die Melodie von Imants Kalniņš (geb. 1941), der in der Szene kurz zu sehen ist (Minute 1:12, rauchend). Meine Übersetzung ist nicht ganz zum Mitsingen geeignet.

Māris Čaklais: Es esmu bagāts

Ich bin vermögend, alles ist ja mein,
was mit mir jemals geschehen ist.

Schnell verrinnende frohe Stunden
und lange Minuten des Wartens.
Herbstflackern auf den Straßen
und Schlamm an Frühlingstagen.

Das dünne Nachkriegsbrot
und das spätere “iss was du willst”.
Die Sehnsucht nach Zärtlichkeit
und die Liebe selbst.

Gedanken rein wie fallender Schnee
und zwischendrin unreine.
Nackte Offenheit und dann
im Gegenzug Niedertracht.

Schwer ist solche Last, schwer
du kannst gar vergessen, dass du reich bist.

Noch ein Lied aus diesem Film (alle Lieder mit Texten von Čaklais vertont von Kalniņš)

Māris Čaklais: Cik mēs viens par otru zinām

Was denn wissen wir von einander?
Ganz wenig, fast nichts.
Scheinbar feiern wir miteinander,
scheinbar teilen wir Alltagspflicht.

Und doch – was wissen wir vom anderen,
der neben uns am Kreuzweg steht.
Jeder spinnt seinen eignen Faden,
tut so, als wüsste er den Weg.

Jeder von uns legt dem anderen
die Elle des eignen Lebens an.
Um sich dann schrecklich zu wundern,
dass alles anders ist als gedacht.

Dann tun wir so, als wüssten wir vom anderen…
Doch wissen tuen wir fast nichts.
Scheinbar feiern wir miteinander,
scheinbar teilen wir Alltagspflicht.

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