Monta Kroma: Stadtgedichte (2)

Monta Kroma (1919-1994)
Trotuārs kā margrietiņa balts

Trottoir weiß wie Gänseblümchen,
   denn
   es ist mein Freund,
   wir reden über Relativismus,
   über das Ziel,
   über das Grab, das
   eine duftende Tiefe der Natur ist, die
   hat ihm der Naturasphalt hinterlassen,
   den man auf Trinidad fördert.
Trottoir ist mein Freund, denn es ist ein Weg, deshalb
   sehe ich es nicht in Grau
   und wir freuen uns miteinander.
(So ist das ja immer mit Freunden. 
   Ich habe einen krummen Rücken, doch 
   mein Liebster sieht
   den leicht zitternden Rücken einer Stute.)
Autos gleiten zischend vorüber: 
   das Meer rauscht.
   – Grüß dich, Natur! Grüß dich, Natur!
   rauscht es zurück, an mich gerichtet.
   In froher
   Demut
   neige ich
   den Kopf.
Ich trenne nicht. Gedicht über die Stadt, heißt es, sind
   Urbanismus.
   Wie aber trennen
   die Stadt vom Land und,
   noch etwas darunter, den Menschen?
   Denn
   das Land ist der Schaffensantrieb der Erde und
   die Stadt ist der Schaffensantrieb des Menschen.
   Ich trenne nicht.
Alles eins, alles Natur, kreuz und quer
   Erde mit Waldwurzeln
   ist wie
   Stadt mit Straßen,
   Leichen ruhen ganz wie Blüten
   Erde ist übervoll.
Ich trenne nicht, alles eins, alles Natur,
   ich bin Natur, ich gehe durch die Natur
   immerzu gehe ich.
   Immerzu bin ich auf dem Trottoir.
Trottoir weiß wie Gänseblümchen. 

(Deutsche Übertragung von Nicole Nau)

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