Zwei Gedichte von K. Skalbe

Kārlis Skalbe (1879-1945)

Die alte Uhr
Wie vor dem Stehenbleiben stockt die Uhr,
das Schlagwerk rostet, und das Rad hat Mühe,
sich einzustellen nach der Zeiger Spur.

Kein Zeichen kommt und keiner Meldung Post,
das Hirn ist dürr am Tag wie in der Frühe,
und aus dem braunen Abend träufelt Rost.

Der Tor
Nur ungern mag ich bei den Klugen stehn,
viel lieber will ich mit den Toren gehn:
sie treten behutsam, sie achten der Krume,
eines toten Vogels, einer welken Blume . . .
Demütig bin ich und einfach wie ein Kind
und liebe die Dinge, die nicht kostbar sind:
einen bunten Stein, ein Stückchen rostiges Eisen
bringe ich heim von meinen kleinen Reisen.
Ich treffe einen Wolf unterwegs, er ist hungrig und verdrossen —
ich tröste ihn, ich mache ihn zu meinem Genossen.
Ein Hase läuft übers Feld, ich will ihn mir zum Freunde bestellen.
Nein, ich mag mich nicht zu den Klugen gesellen!
Meine einfachen Worte, meine einfältigen Gedanken
binde ich zu leichten Ketten wie Blumenranken.

Deusche Übertragung von Elfriede Skalberg

Aus dem Bändchen „Moderne lettische Lyrik“, Berlin 1920. Hier als PDF zu finden!

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